Ist das Kunst oder kann man das kaufen?

 

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am Augustinerhof 1 54290 Trier

 

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TATTOO

VON IGOR BAUERSIMA & RÉJANE DESVIGNES

In der populären Gegenwartsdramatik wird Zwischenmenschliches allzu oft mit einem Happen gängiger Kunstproblematik serviert. Die hierbei immer wieder gestellten Fragen nach dem Wert und der Funktion von Kunst, was sie bewirken kann oder leisten soll, laufen Gefahr, als Plattitüden der Postmoderne abgestempelt und mit Allgemeinplätzchen abgespeist zu werden.

Dass sie noch heute ernst genommen werden dürfen, zeigt Igor Bauersimas Stück „Tattoo“ – wo Inhalt und Form zu einem kompromisslosen Ganzen verschmelzen, wo künstlerischer Idealismus gegen ökonomischen Erfolgszwang ausgespielt und die Selbstbestimmung des Künstlers auf seine Korrumpierbarkeit hin untersucht wird. In „Tattoo“ macht das Konzept die Wahrnehmung aus und das Kunstwerk den Menschen. Denn die Helden des Dramas, ob Schauspielerin Lea, Schriftsteller Fred, ihr Jugendfreund Tiger oder die Galeristin Naomi sind bloß Figuren auf einem Schachbrett, das sich verselbstständigt – in einem Spiel, das zu bizarr scheint, um wahr zu sein, aber zu spürbar unter die Haut geht, um Schein zu bleiben.

 

IGOR BAUERSIMA

1964 in Prag geboren, aufgewachsen in der Schweiz, ist seit 1998 als Architekt, Musiker, Bühnenbildner, Regisseur, Theater- und Filmautor tätig. 1993 gründete er in Zürich mit wenigen Schauspielern die sog. „OFF OFF Bühne“, für die er neun Stücke schrieb und inszenierte. Mit „Forever Godard“ erhielt Bauersimas Projekt 1998 auf dem Impulse Festival NRW den Preis für die beste freie Theaterproduktion. Dem Autor, bis heute noch immer auch sein eigener Uraufführungsregisseur, gelang im Jahr 2000 mit dem Stück „norway.today“ der internationale Durchbruch. „Tattoo“ entstand in Zusammenarbeit mit der 1969 in Genf geborenen Schweizer Schriftstellerin Réjane Desvignes und wurde 2002 am Schauspielhaus Düsseldorf uraufgeführt. Igor Bauersima lebt und wirkt derzeit in Zürich und Paris.

 


 

Kunst entfremdet
Kunst vereint

In einer Stammtischdebatte zur zeitgenössischen (wie auch jeder anderen) Kunst und Kultur scheint es Üblich, weniger auf einzelne Autoren, Maler, Musiker oder Architekten einzugehen, sondern vielmehr auf Stilrichtungen, Schulen und Manifeste einzudreschen. Es „gewinnt“ meistens auch der- oder diejenige, wer sein Halbwissen am geschicktesten in dufte Etiketten der Tradition, Nachfolgerschaft oder Antagonismen zu verpacken weiß und jenem Gesamtcocktail das Schirmchen eines niederschmetternden (wie XY schon sagte…) Schlusszitats aufsetzen kann.
Dies ist aus zweierlei Sicht bedauerlich: So tut man zunächst jedem kreativ schaffenden Wesen unrecht, es in die Schublade eines bestimmten, mehr oder weniger zutreffenden Labels zu befördern. Außerdem vollzieht man damit eine Gleichsetzung des Künstlers mit seiner vermeintlichen Partei und vertauscht somit das Einzelne mit dem Allgemeinen – was wiederum einen schleichenden aber unvermeidbaren Tod des Künstlers als Individuum bedeutet.

“My Art is not an answer, – it is a question.”

Gottfried Helnwein

An dieser misslichen Lage sind die Schaffenden selbst jedoch nicht ganz unschuldig. Das Streben nach Selbstlegitimation durch das Postulieren von Zielen und Prinzipien ihrer Werke, das gegen- und wechselseitige überbieten im Schwingen von Fahnen und im Ausrufen von Kampfparolen à la „Die Kunst soll…“ oder „Die Kunst hat (Gewünschtes ergänzen) zu sein!“ drängt uns Normalsterbliche dazu, sie auf jene Karteikarten zu zwingen, in denen sich die Kreativen allzu oft beengt und missverstanden fühlen.

Was also tun als eine Theaterinszenierung, die das Dasein in und um die Kunst zu ihrem Hauptthema macht? Sie könnte darin eine Chance sehen, die Mannigfaltigkeit der Entfremdungskunst zu durchleuchten: Zwischen Missverstehenden und Missverstandenen, zwischen Wesen und Form der Kunst, zwischen Institutionen und ihrem Kulturauftrag – einerseits. Sie dürfte aber auch nicht das vereinende Element der Entgrenzungskunst vergessen: Zwischen dem Schaffenden und seinen Rezipienten, zwischen dem Fragestellenden und der Suche nach Antworten, zwischen der Welt und ihrem innigsten, eigentlichsten Ausdruck – in der Kunst! Wird das Theater, sich seiner bescheidenen Möglichkeiten bewusst, es in der hier umrissenen Ambitioniertheit bewältigen können?
– Natürlich nicht, aber allein der Versuch sollte schon fruchtbar sein.

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